Ungewisse Zukunft der Krankenversicherung * Berater reiten auf der ?Angst-Welle? * Berater-Lotse hilft bei der Experten-Suche *

Ein Fachbeitrag von Dietmar Vogelsang

Schlecht beraten in Sachen Krankenschutz?

 

Bad Homburg, 26. April 2006. Vergleichbar mit der Panikmache bei der Einführung der Quellensteuer agieren manche Vermittler in der momentanen Situation beim Verkauf privater Krankenversicherungen. Bestätigt Dietmar Vogelsang, Geschäftsführer des Institut DV & P und Betreiber des Portals www.Berater-Lotse.de: ?Die mit den aktuellen Regierungsplänen zu Bürgerversicherung oder Kopfpauschale verbundene Angst wird bewusst zum Verkauf privater Krankenpolicen missbraucht.? Trotz Bestandsschutz wird zum Beispiel der Verbleib in der privaten Versicherung in Frage gestellt.

 

Dietmar Vogelsang: ?Eine Panikmache im Hinblick auf den Abschluss einer neuen Krankenversicherung ist übertrieben und sinnlos. Die politischen Diskussionen dürfen demnach nicht zu einer Minderung der Beratungsintensität führen.? Das unterstreicht auch Rüdiger Fromme, Rechtsanwalt und Versicherungsberater aus Bochum und Experte auf www.Berater-Lotse.de: ?Änderungen der gesetzlichen Landschaft werden bewusst für überflüssige Vertragsabschlüsse benutzt, um nach dem Motto der ?letzten Chance? zweifelhafte Produkte zu verkaufen.? Fromme warnt vor übereilten Entscheidungen: ?Es gibt keinen Grund, bei einer privaten Krankenpolice von den üblichen Anforderungen an die umfassende Beratung abzuweichen.?

 

Denn ein Wechsel etwa von der gesetzlichen zur privaten lohnt nur in bestimmten Fällen. Und diese gilt es, im Rahmen einer intensiven Analyse der Gesamtsituation - auch mit der notwendigen Weitsicht - herauszufinden. Besonders für Top-Verdiener, die für vergleichsweise mageren Kassenschutz einen hohen Anteil ihres Gehalts abgeben müssen sind private Versicherungen augenscheinlich attraktiv: Die Beiträge errechnen sich modular und richten sich nach dem jeweiligen Leistungspaket. Fromme: ?Ein weiterer Vorteil der privaten ist, dass sich die Beiträge über individuelle Selbstbeteiligungen regeln lassen.?

 

Eine wichtige erste Frage sollte nach Erfahrung Frommes jedoch sein, ob sich eine private Versicherung im Hinblick auf Gesundheitszustand und Alter der versicherten Person überhaupt lohnt. Denn das Grundprinzip lautet: Versichert wird nicht nach Einkommen, sondern nach Risiko. Und das steigt mit zunehmenden Alter und der Anzahl möglicher Vorerkrankungen. Fromme: ?Für Frauen so ab 40 und Männer jenseits der 45 lohnt ein Wechsel meist nicht mehr, denn mit höherem Eintrittsalter steigen die Beiträge. Individuell bedingte Risikozuschläge oder gar Ausschlüsse bei bestimmten Erkrankungen nehmen zu.? Abgesehen davon ist eine Rückkehr zur gesetzlichen nur in wenigen Fällen möglich, beispielsweise bei starken Einkommenseinbrüchen oder Arbeitslosigkeit.

 

In jedem Fall sollten erfahrene Versicherungsberater die persönliche und finanzielle Situation des Kunden eingehend unter die Lupe nehmen. Vogelsang: ?Die Krankenversicherung ist primär ein großes Zukunftsthema. Demnach darf sich die Beratung und Planung für einen individuellen Krankenschutz nicht nur mit der gegenwärtigen Situation befassen, sondern muss auch künftige Pläne, Ziele und Wünsche des beruflichen und privaten Umfelds und der ganzen Familie berücksichtigen.?

 

Als pauschaler Rat gilt: Für Frauen mit Kinderwunsch zahlt sich ein Wechsel zur Privaten - abgesehen von einem üblicherweise höheren Leistungsniveau - eher nicht aus. Beispielsweise gibt es ein lfd. Mutterschaftsgeld (sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung) im Rahmen der Pflichtversicherung meist nur bei den Gesetzlichen. Während des Erziehungsurlaubs bleiben pflichtversicherte Frauen - mit wenigen Ausnahmen - bei einer gesetzlichen Kasse drei Jahre beitragsfrei. Kinder bleiben für Pflichtversicherte - abhängig vom Versichertenstatus des Partners - ohne Zusatzbeitrag.

 

Wer auf Rund-um-Versorgung nicht verzichten, seine gesetzliche dennoch nicht aufgeben möchte, kann den Kassenschutz mit Zusatzpolicen aufpolieren. Das Angebot reicht von bevorzugter Behandlung im Krankenhaus, freier Arztwahl, alternativer Behandlungsmethoden, bis hin zum Zahnersatz und Brillen. Auch gibt es häufig bei den gesetzlichen Kassen privaten Zusatzschutz, allerdings häufig gekoppelt an die Kassenmitgliedschaft. ?Zusatztarife lassen sich für den Kunden vorteilhaft auch einzeln kündigen, so dass der eigentliche Versicherungsschutz bestehen bleibt?, ergänzt Versicherungsberater Fromme,

 

Welche Tarife sinnvoll und notwendig sind, können jedoch nur wirklich neutrale Berater objektiv und unabhängig von verkäuferischen Interessen untersuchen. ?Dies gilt für die Beratung beim Krankenschutz gleichermaßen wie etwa bei der umfassenden Analyse im Rahmen der privaten Finanz- und Vermögensplanung?, gibt Vogelsang zu bedenken, ?Im Gegensatz zu Maklern und Vermittlern sind Versicherungsberater, ähnlich wie Anwälte und Steuerberater, unabhängige Ehrenberufler und frei von eigenen Interessen und haben ausschließlich das Wohl der Mandanten im Auge. Auch dürfen Tätigkeit und Vergütung nicht vom Produktverkauf bestimmt sein, sondern ausschließlich auf Honorarbasis erfolgen.?

 

So sollte eine Krankenversicherungs-Beratung entsprechend zeitaufwendig sein. Als pauschale Richtschnur gilt: Kein Geschäftsabschluss am ersten Abend. ?Berater, die schon nach wenigen Stunden ein Angebot parat haben, sind selten mit der gebotenen Intensität am Werk gewesen?, warnt Fromme, ?Ein guter Berater zeigt Vor- und Nachteile mehrerer Lösungen auf und lässt nach Beratung, Analyse und Empfehlung bis zum Abschluss ausreichend Zeit.? Auch im Hinblick auf Haftung rät Vogelsang zur Beratung durch vereidigte Experten: ?Wenn etwa Gesundheitsfragen nicht korrekt abgearbeitet werden, können Versicherungsberater im Gegensatz zu Vermittlern leichter in Regress genommen werden.? Die Vermittlerhaftung ist aufgrund der Freistellung der Versicherung dagegen entsprechend geringer, konzentriert sich allenfalls auf schwerwiegendes Verschulden. Zudem streitet der betroffene Verbraucher dann gegen einen Konzern und dessen Rechtsabteilung.

Dietmar Vogelsang
Sachverständiger, Unternehmensberater, Vermögensberater
bei Vogelsang & Sachs Sachverständigen-Societät für Kapitalanlagen und private Finanzplanung in Bad Homburg