Finanzinstrumente Grundlagen

Ein Fachbeitrag von Dietmar Vogelsang

Zu den sonstigen Finanzinstrumenten zählen insbesondere die Termingeschäfte. Ein Termingeschäft liegt im Gegensatz zu Kassageschäften dann vor, wenn zu feststehenden Konditionen bis zu einem bestimmten, in der Zukunft liegenden Zeitpunkt erfüllt werden soll.

 

Beim Fixgeschäft ist diese Erfüllung für beide Seiten zwingend, beim Prämiengeschäft kann sich ein Partner gegen Zahlung einer Prämie das Recht auf Rücktritt vorbehalten, beim Optionsgeschäft schließlich wird einer Partei von vorneherein die Möglichkeit eingeräumt, das Recht auszuüben oder es verfallen zu lassen. Der Terminhandel in Wertpapieren war in der Bundesrepublik von 1931 bis 1970 verboten. Seit 1970 sind Termingeschäfte in Form von Optionsgeschäften wieder erlaubt.

 

Derivate (oder auch derivative Finanzinstrumente) ist der Oberbegriff für Finanzinstrumente, deren Wert vom Marktpreis eines oder mehrerer Basisinstrumente (Wertpapiere, Rohstoffe, Devisen oder Marktindizes) abgeleitet ist und deren Preise sich nach den Kursschwankungen oder den Preiserwartungen der zugrundeliegenden Investments richtet. Derivate sind so konstruiert, dass sie die Schwankungen dieser Anlageobjekte überproportional nachvollziehen â?? und sind daher grundsätzlich als riskant bis extrem riskant einzuschätzen. Allerdings können Termingeschäfte auch zur Absicherung eines bestimmten Basiswertes (bspw. ein Wertpapier, ein Index...) genutzt werden oder um â??relativâ?? risikolos eine Zusatzprämie - bspw. beim Halten bestimmter Aktien - zu vereinnahmen. Die Anwendungs- und Kombinationsmöglichkeiten sind sehr umfangreich und können durchaus auch eine risikoarme Anlagekonzeption darstellen bzw. nehmen im Rahmen einer Absicherungsstrategie ggf. gewollt einen Totalverlust der Prämie in Kauf. Beispiele für Derivate sind: Optionen, Futures, Optionen auf Futures und Swaps. Zu den Haupttypen zählen Futures und Optionen.

 

Futures: Bei einem Futures-Geschäft verpflichten sich Käufer und Verkäufer, eine genau spezifizierte Menge und Art von Devisen, Wertpapieren oder Rohstoffen zu einem bereits bei Abschluss des Geschäftes festgelegten Zeitpunkt und Preis zu kaufen bzw. verkaufen. Es handelt sich um Terminkontrakte, z.B. auf Aktienindizes (DAX-Index), eine Bundesanleihe (Bund Future) oder Devisen. Neben den sogenannten Financial Futures gibt es auch Kontrakte auf landwirtschaftliche Produkte, Rohstoffe und Edelmetalle. Mit Hilfe von Futures können Anleger an den Preisveränderungen der zugrunde liegenden Basiswerte (z.B. dem DAX-Index) profitieren, und zwar je nach Positionierung sowohl an steigenden als auch an fallenden Kursen/ Preisen. Es handelt sich hierbei dem Grunde nach um ein Differenzgeschäft, das nicht ausgeübt wird/ werden soll. Heißt, dass der zugrunde liegende Basiswert nicht tatsächlich gekauft wird, sondern später bspw. durch ein gleichartiges Gegengeschäft die gehaltene Position quasi neutralisiert/ ausgeglichen wird. Damit jederzeit eine mögliche Verlustposition aufgrund der laufenden Marktpreisveränderungen ausgeglichen werden kann, wird eine gewisse Sicherheitsleistung (Margin) erforderlich. Diese Margin (eigentlich sind es mehrere Margin-Positionen) wird von einer Bank berechnet und kann börsentäglich angepasst werden. Damit soll die Sicherheit für alle Marktteilnehmer und die jederzeitige Handelbarkeit gewährleistet werden. Futures bieten die Möglichkeit, mit relativ geringem Kapitaleinsatz einen sehr großen Hebel zu bewegen, was naturgemäß von entsprechenden Chancen und Risiken begleitet wird.

 

Optionen: Bei einer Kaufoption (â??Callâ??) erwirbt der Käufer gegen Zahlung einer Prämie das Recht, innerhalb einer bestimmten Frist eine festgelegte Anzahl von Wertpapieren zu einem festen Bezugspreis zu kaufen. Der Käufer des Calls macht einen Gewinn, wenn am Ende der Optionsfrist der Wertpapierkurs über dem Bezugspreis liegt. Bei einer Verkaufsoption (â??Putâ??) erwirbt der Käufer (auch Stillhalter genannt) das Recht, Wertpapiere zu verkaufen und kann so beispielsweise den Kurs seiner Wertpapiere nach unten absichern, ohne auf die Chancen durch Kurssteigerungen zu verzichten. Im Gegensatz zum Future hat bei einer Option der Käufer der Option ein bestimmtes Recht erworben und seine Verluste auf die Höhe der Optionsprämie begrenzt. Auch der Stillhalter kann seine vereinnahmte Prämie ganz oder teilweise wieder verlieren und muss sogar darüber hinausgehende Verluste einplanen. Der Wert einer Option hängt ab von Bezugspreis, aktuellem Wertpapierkurs, Zinsniveau, Laufzeit und Volatilität des Wertpapiers.

 

Hedge-Fonds sind Investmentfonds, die Anlegergelder hauptsächlich am Terminmarkt in derivative Instrumente wie Optionen und Futures investieren. Im Gegenteil zu Futures-Fonds dürfen sie auch einen Teil ihrer Mittel am Kassamarkt anlegen. Der Begriff Hedge-Fonds wird im Allgemeinen mit hohem Risiko, Leerverkäufen und im Extremfall auch mit Totalverlust in Verbindung gebracht. Allerdings gibt es zahlreiche Hedge-Fonds-Strategien, deren Spektrum von â??risikoaversâ?? mit geringen Risiken für den Anleger bis â??äußerst spekulativâ?? reicht. Das Verlustrisiko von Hedge-Fonds ist stark abhängig von der gewählten Hedge-Fonds-Strategie. So sagt die Renditeangabe allein noch nichts über die Qualität eines Hedge-Fonds aus. Die verschiedenen Strategien werden erst vergleichbar, wenn die Rendite mit dem Risiko, also zumindest der Volatilität, ins Verhältnis gesetzt wird.

 

Die Hauptunterschiede zum herkömmlichen Investmentfonds: Die Verwendung verschiedenster Anlageinstrumente und Hilfsmittel zur Zielerreichung (Derivate), die Möglichkeit des Leerverkaufs (Short-Selling) sowie die Erzielung einer Hebelwirkung durch Fremdfinanzierung (Leverage). Dadurch können Hedge-Fonds in Anleihen, Aktien, Rohstoffe, Devisen, Optionen oder Futures investieren und mittels Einsatz dieser Finanzinstrumente sowohl von steigenden als auch von fallenden Märkten profitieren. Durch die vielfältigen Möglichkeiten dieses breit gefächerten Anlagespektrums können Hedge-Fonds weitgehend unabhängig von Aktien-Märkten agieren.

 

Im Gegensatz zu den Derivaten handelt es sich bei Optionsscheinen um ein Handelsinstrument (auch Warrant genannt), basierend auf einer Anleihe: Optionsscheine werden ursprünglich zusammen mit einer entsprechenden Anleihe (Optionsanleihe) herausgegeben, wobei sowohl die Anleihe wie auch der Optionsschein allein an der Börse gehandelt werden können. Je nach Ausstattung berechtigen Optionsscheine innerhalb einer bestimmten Zeitspanne zum Bezug von Aktien, Devisen, Edelmetallen, o.ä. in einem bestimmten Bezugsverhältnis zu einem bestimmten, vorher festgelegten Preis. Dafür bekommen Anleger eine vergleichsweise zum Markt etwa ein bis zwei Prozentpunkte niedrigere Nominalverzinsung. Viele Anleger nutzen den Handel mit Optionsscheinen, weil sich die Kursentwicklung des dem Optionsrecht zugrundeliegenden Basiswerts (z. B. einer Aktie) im allgemeinen überproportional auf die Kursentwicklung des OS auswirkt.

 

Achtung: Aufgrund der Hebelwirkung sind Termingeschäfte überwiegend hochriskant und nur für Anleger mit entsprechender Erfahrung geeignet. Bei der Suche nach einem geeigneten Berater ist auf entsprechend spezifische Erfahrung unbedingt zu achten.

Dietmar Vogelsang
Sachverständiger, Unternehmensberater, Vermögensberater
bei Vogelsang & Sachs Sachverständigen-Societät für Kapitalanlagen und private Finanzplanung in Bad Homburg