Investmentfonds Grundlagen

Ein Fachbeitrag von Dietmar Vogelsang

Investmentfonds werden je nach Anlagekategorie grob unterschieden in Aktienfonds, Rentenfonds und gemischt anlegende Fonds. Letztere können gemäß ihren Anlagebedingungen sowohl in Aktien als auch in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Neben diesen Hauptkategorien existieren spezielle Kategorien wie offene Immobilienfonds, Hedgefonds, Optionsfonds u.v.a.m.

 

Die meisten Gelder sind zwar in Rentenwerte investiert, am populärsten unter Anlegern sind aber Aktienfonds. Dabei investieren jedoch auch Aktienfonds, insbesondere aber Mischfonds, einen Teil oder gar Großteil der Anlagebeträge in Festverzinsliche - wie auch Rentenfonds spekulative Geldanlagen benötigen, um die gewünschte Rendite für die Fondsanleger zu erzielen. Die Anlagebedingungen geben die Höchstgrenzen pro Anlagesegment vor. Die individuelle Entscheidung über den der jeweiligen Kapitalmarktsituation angemessenen Investitions-Mix trifft das Fondsmanagement im Rahmen der Anlagegrundsätze und der gesetzlichen Anlagegrenzen. Die Fondsmanager haben die Aufgabe, das Fondsvermögen zu verwalten und es unter Berücksichtigung der Chancen und der eingegangenen Risiken möglichst ertragreich und sicher anzulegen. Die Verwaltung der Fondsgelder als â??Sondervermögenâ?? übernehmen spezielle Kapitalanlagegesellschaften (meist Banken oder Versicherungen).

 

Neben Fonds mit überwiegender oder vollständiger Investition in Aktien (z.B. eines bestimmten Landes, einer Region oder international) gibt es Aktienfonds, die ausschließlich in Aktien bestimmter Unternehmensgruppen investieren (z.B.: Branchen-, oder Small-Cap-Fonds) Grundsätzlich haben Aktienfonds normalerweise ein höheres Risiko, langfristig dafür meist Chancen auf größere Wertsteigerungen als bei Rentenfonds.

 

Darüber hinaus gibt es zahlreiche für den Anleger zu unterscheidende Fonds-Spezies:

 

Spezialfonds sind im Gegensatz zu Publikumsfonds nicht für die breite ??ffentlichkeit konzipiert, unterliegen jedoch den gleichen gesetzlichen Vorschriften (z.B. KAGG). Pro Fonds existieren meist nicht mehr als zehn Anteilsscheine, meist Versicherungen oder Pensionskassen.

 

Spezialitätenfonds haben meist eine sehr spezielle Anlagepolitik und unterscheiden bei den Investitionen zwischen bestimmten Ländern, Regionen, Industriezweigen, Wirtschaftssektoren oder sehr spezielle Wertpapierarten wie Wandel- oder Optionsanleihen u.a.m. Je kleiner der Fokus bei der Auswahl der Werte, desto größer sind oft entsprechende Risiken und Chancen - und desto spezieller die Anforderungen an das Know-how bei der Auswahl der Fondsanteile.

 

Dachfonds, auch â??Funds of Fundsâ?? genannt, sind seit 1999 in Deutschland zugelassen und investieren ihr Fondsvermögen wiederum in andere Fonds (Unterfonds).

 

Umbrella Fonds bieten dem Anleger unter einem gemeinsamen â??Schirmâ?? Anlagemöglichkeiten in verschiedenen Einzelfonds der gleichen Investmentgruppe mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten.

 

Garantiefonds versprechen - ganz oder teilweise - die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals am Ende der bei Kauf fest vereinbarten Fondslaufzeit (Geld-Zurück-Garantie). Meist wird der Anleger zudem bis zur Endfälligkeit mit einer bestimmten Quote am Kursanstieg eines Aktienmarkts oder zu einem bestimmten Prozentsatz am Anstieg eines Index beteiligt.

 

Indexfonds verfolgen das Ziel, die Zusammenstellung eines bestimmten repräsentativen Index mehr oder weniger exakt nachzubilden und gleichzeitig dessen Performance möglichst zu übertreffen.

Zum effektiven Kauf von Investmentfondsanteilen eignen sich regelmäßige Zahlungen auf einen Fondssparplan. Zu erwähnen ist vor allem der Cost-Average-Effekt, der die sinnvolle und günstige Ausnutzung von Anteilskursschwankungen beschreibt: Durch die gleichbleibend hohe Summe beim Kauf erreicht der Anleger, dass bei fallenden Kursen mehr Fondsanteile - und bei steigenden Kursen entsprechend weniger Fondsanteile erworben werden (auch "antizyklisches Investieren" genannt). Langfristig werden so unterm Strich günstigere Durchschnittspreise erzielt als beim sporadischen Kauf einzelner Fondsanteile. Der "Cost-Average-Effekt" ist um so größer, je länger die Dauer der Einzahlungen und je stärker die Preisschwankungen sind. Allerdings ist dieser Cost-Average-Effekt nicht unter allen Finanz-Wissenschaftlern unumstritten.

 

Tipp: Angesichts der kaum noch überschaubaren Zahl der angebotenen Fonds tut guter Rat not. So gibt es Fonds, die nur in bestimmten Ländern oder Branchen investieren. Die Auswahl des "richtigen Fonds" (auch â??Fonds-Pickingâ?? genannt), stellt sich zudem durch unterschiedliche Gebührenstrukturen und stark abweichende Entwicklungen in der Vergangenheit als sehr schwierig dar. Das Problem: Wenn ein Fonds in den vergangenen Jahren der erfolgreichste in seinem Segment war, lässt dies im Umkehrschluss nicht gesichert darauf schließen, dass der Fonds auch in Zukunft erfolgreich sein wird. Neben dem Fonds-Management müssen die zugrunde liegenden Länder, Branchen oder auch - wenn bekannt - einzelnen Aktien beurteilt werden. Auch professionelle Ratings (z.B. FERI oder S&P) können eine fundierte Beratung nicht ersetzen. Zudem, eine einmal getroffene Kaufentscheidung muss nicht über die gesamte Anlagedauer die richtige bleiben. Die Qualität des Fondsmanagements ist alles andere als dauerhaft gut, weshalb man durchaus von Zeit zu Zeit die Konkurrenzfonds der gleichen Kategorie als Vergleichsmaßstab beobachten sollte.

 

Fazit: Die ganzheitliche Betrachtung eines den Anforderungen, Wünschen und Zielen des Anlegers gerecht werdenden, sinnvoll bestückten, gut diversifizierten Fondsdepots erfordert eine Menge Know-how und Erfahrung des Beraters im Bereich von Assetklassen, Märkten und Branchen. Und nicht zuletzt hinreichende Expertise bei der Beurteilung der Anleger-Risikomentalität als auch der Risikotragfähigkeit des mit dem Anlagekonzept verfolgten Anlageziels. Wegen der durchaus hohen Risiken solcher Anlagen ist die Hinzuziehung eines unabhängigen Experten zu empfehlen. Ist bereits ein Engagement schief gegangen, sollte insbesondere die Expertise von Sachverständigen und Rechtsanwälten genutzt werden.

Dietmar Vogelsang
Sachverständiger, Unternehmensberater, Vermögensberater
bei Vogelsang & Sachs Sachverständigen-Societät für Kapitalanlagen und private Finanzplanung in Bad Homburg