Zertifikate Grundlagen

Ein Fachbeitrag von Dietmar Vogelsang

Ebenfalls beliebt unter Anlegern sind die Zertifikate, deren Kurs i. d. R. an die Entwicklung der Börse bzw. an die an ihr gehandelten Produkte gekoppelt ist. Es handelt sich um eine Schuldverschreibung seitens des Herausgebers (Emittent) des Zertifikats, die sich auf einen bestimmten Aktien- oder sonstigen Index (z.B. DAX oder ein x-beliebig zusammengesetzter Basket) beziehen kann. Mit einem Index-Zertifikat können Investoren also je nach Markteinschätzung den Index oder einen Basket aus Wertpapieren/ Indizes â??kaufenâ?? â?? oder eben wieder verkaufen.

 

Bei einem Discount-Zertifikat hat der Emittent bei Laufzeitende das Wahlrecht, entweder das Zertifikat zum Höchstwert zurückzuzahlen, oder die zugrunde liegende Aktie zu liefern. Anleger erhalten den Basiswert mit einem Abschlag auf den aktuellen Kurs (sog. Sicherheits- oder Risikopuffer). Partizipieren dafür aber nicht unbegrenzt an der positiven Wertentwicklung des Basiswertes.

 

Vom Prinzip her ist ein Discount-Zertifikat ein Stillhaltergeschäft: Der Anleger kauft ein Wertpapier und verkauft gleichzeitig eine Kaufoption. Die Prämie aus der Kaufoption wird vom Kurs des Wertpapiers abgezogen und hieraus ergibt sich der Discount. Die mit dem Kauf eines Discount Zertifikates verbundenen Transaktionen bleiben vom Anleger unbemerkt, sie sind in dem Zertifikat so zu sagen übereinander gelegt (dies konzipiert und überwacht der Emittent eines Zertifikats). Im Gegenzug für den gewährten Preisnachlass stimmt der Anleger einem zuvor festgelegten Höchstkurs (Cap) des Bezugswerts zu, bis zu dem er von der Kurssteigerung profitiert. Steigt der Kurs über den Cap, nimmt der Besitzer des Discount Zertifikates nicht mehr an weiteren Kursgewinnen teil. Discount Zertifikate bieten dem Anleger einen großen Risikopuffer und schneiden in fallenden und stagnierenden Börsenphasen besser ab als Aktien. Nur wenn die Kurse stark steigen, wäre der Kauf von Aktien vorteilhafter gewesen.

 

Relativ neu sind sogenannte Turbo-, Sprinter- oder auch Kickstart-Zertifikate (und lfd. kommen neue Konzeptionen hinzu), mit welchen Anleger überdurchschnittlich von einem Kursgewinn profitieren, aber auch genauso schnell Verluste einfahren können. Mit einem Turbo-Zertifikat erwirbt ein Anleger quasi ein derivatives Produkt welches sich auf eine Aktie bezieht. In den Bedingungen des Zertifikats sind zwei Schwellenwerte und eine bestimmte Laufzeit vereinbart. Liegt der Kurs der bezogenen Aktie am Ende der Laufzeit unterhalb des unteren Schwellenwertes, so erhält der Anleger die pro Zertifikat vereinbarte Anzahl an Aktien. Liegt der Kurs der Aktie zwischen der unteren und oberen Schwelle, so erhält der Anleger die vereinbarte Menge an Aktien und eine Geldprämie in Höhe des Betrages um den der Aktienkurs den unteren Schwellenwert überschreitet. Liegt der Kurs der Aktie auch über dem oberen Schwellenwert, so erhält der Anleger eine Rückzahlung in Höhe des oberen Schwellenwertes plus der Differenz zwischen oberer Schwelle und unterer Schwelle.

 

Achtung: Zertifikate sind vor allem für erfahrene Anleger geeignet, die sich intensiv mit dem Börsengeschehen befassen. Ohne kompetente Beratung ist von einer Investition in Zertifikate dringend abzuraten. Zudem werden seitens der Emittenten lfd. neue Produkte entwickelt und im Markt angeboten. Es gibt kaum einen Anleger, der hier noch wirklich den Überblick bewahren kann. Jedes einzelne Angebot ist kritisch zu hinterfragen, die Vertragsbedingungen sind zu prüfen und das vorliegende Konzept ist hinsichtlich einer Deckung mit den persönlichen Zielsetzungen sowie der Risikobereitschaft abzugleichen.

Dietmar Vogelsang
Sachverständiger, Unternehmensberater, Vermögensberater
bei Vogelsang & Sachs Sachverständigen-Societät für Kapitalanlagen und private Finanzplanung in Bad Homburg